Dankbarkeit unterm Baum

Dezember 22, 2015 - Dankbarkeit, Happyology, von Anna -

Weihnachten steht vor der Tür

… und damit nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch der ultimative Geschenke-Marathon. Lässt man die Industrie, die dahinter steckt einmal außen vor, stehen viele von uns dennoch vor der großen Frage, womit man seinen Liebsten aber auch jenen, an denen man im Geschenke-Zirkel nicht vorbeikommt eine Freude machen kann. Neben extravaganten Ideen wie selbstgemachte Kunst oder etwas, dass der Persönlichkeit des anderen gerecht wird, stehen oftmals auch an den Haaren herbeigezogene oder höchst unkreative Geschenke an der Tagesordnung.

“Der Weg zur Zufriedenheit führt mitten durch die Dankbarkeit.” Ernst Ferstl

Die einfachsten Dinge, die wir uns alle wünschen und dennoch oft nicht ausreichend bekommen, bleiben dabei oft im Schatten der funkelnden Konsumgüter verborgen.

Auch die Dankbarkeit gehört zu diesen Dingen, die heutzutage viel zu selten geschenkt werden. Dabei ist sie eines der reichsten und schönsten Geschenke überhaupt. Sie funktioniert nämlich in beide Richtungen: Mit unserer Dankbarkeit drücken wir nicht nur unsere Wertschätzung für unser Gegenüber aus, sondern machen uns gleichzeitig bewusst, wie gut es uns trotz allem geht. Das schafft einerseits Verbundenheit mit uns selbst und unserem Gegenüber und stärkt zudem unsere eigene Zufriedenheit und Zuversicht. Dies wiederum reduziert Stress und wirkt damit gesundheitsfördernd. In der positiven Psychologie wird Dankbarkeit deshalb als machtvolle Metastrategie zum Glücklichsein angesehen und eingesetzt.

Vielleicht hat sich Jeremias Gotthelf alias Albert Bitzius genau darauf bezogen, als er sagte: “Dank ist keine Erniedrigung sondern ein Zeichen hellen Verstands.” Denn wer eine Möglichkeit erkennt, zufriedener und glücklicher zu werden und zudem seine Verbundenheit mit seiner Umwelt zu stärken hat eindeutig etwas Fundamentales gelernt. Mehr Input zur positiven Psychologie gibt es zum Beispiel hier: Prof. Dr. Tobias Esch “Die Neurobiologie des Glücks”.

Beim Ausdruck unserer Dankbarkeit, verlassen wir zudem unsere eigenen emotionalen Mauern und stärken unser Selbstvertrauen auch in Momenten der Verletzlichkeit.


Doch wofür bin ich dankbar und wie kann ich es zeigen?

Weil so vieles in unserer westlichen Gesellschaft längst zu einer Selbstverständlichkeit für uns geworden ist, können wir die Dinge für die wir dankbar sind oft erst in deren Gegenteil erkennen. Sehen wir eine zerrüttete Familie, sind wir dankbar für all die Unterstützung, die wir von unserer eigenen Familie erhalten. Sehen wir einen Obdachlosen auf der Straße, wird uns bewusst, wie schön es doch eigentlich in unser kleinen Zwei-Zimmer Wohnung ist. Wenn uns also nicht sofort einfällt, wofür wir dankbar sind, hilft es oft, seine Augen für die Dinge zu öffnen, die uns erschüttern oder bewegen. Werfen wir dann einen kurzen Blick auf unsere eigene Situation, fällt es uns oft wie Schuppen von den Augen.  

“Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.” Sir Francis Bacon

Wissen wir bereits, wofür wir anderen dankbar sind, stehen wir oft vor dem Problem, dass uns partout nichts einfallen will, wie wir diese Dankbarkeit angemessen ausdrücken können. Zu schnulzig soll es nicht sein und auch nicht zu lapidar rüberkommen. Schließlich meinen wir es ja ernst. Doch gerade wenn es um Gefühle wie Dankbarkeit geht, scheint es uns in diesen Chat-, Mail-, und Instagram Tagen trotz neuester Kommunikationstechniken an der richtigen Ausdrucksmöglichkeit zu mangeln.

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Auch wenn es banal klingen mag, aber oft bietet ein Brief genau den passenden Rahmen um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Wer Stift und Papier benutzt, muss sich zuvor genau überlegen was er sagen will, denn anders als zur E-Mail lässt sich einmal Geschriebenes nur schwer korrigieren. (Ein digitaler Entwurf kann unschönen Radierer- oder Tipp-Ex-Einsätzen vorbeugen.) Er unterstreicht also bereits mit dem Aufwand, einen Brief zu schreiben, statt schnell eine E-Mail zu tippen, die hohe Wertschätzung die er dem Empfänger entgegenbringt. Um eine mögliche Schreibblockade zu überwinden, hilft die Vorstellung, man würde eine Rede über die Person bei deren Geburtstag oder Hochzeit halten, denn das sind oft die einzigen Anlässe, bei denen wir uns in vollem Umfang bewusst machen, was wir an diesem Menschen eigentlich so sehr schätzen.

Mit dem Brief bringen wir eine frische Brise in die Freundschaft oder Beziehung und öffnen den Zugang zu unseren eigenen Gefühlen.

Dank ist die Umarmung für die Seele.Siegfried Wache

Wer bis zum nächsten Brief üben will, kann Dankbarkeit mit kleinen Gesten in seinen Alltag integrieren: Einfach mal dem Kollegen einen Kaffee mitbringen, der Kassiererin an der Supermarkt-Kasse in die Augen schauen und lächeln, dem Kellner ordentliches Trinkgeld geben und ja genau: Einfach immer wieder mal Danke sagen. Auch wenn es vielleicht selbstverständlich wirkt aber auch der Busfahrer, der Apotheker oder die Blumenhändlerin freuen sich über ein Danke. Wenn wir jeden Tag darauf achten im Umgang mit anderen Menschen mehr Dankbarkeit zu zeigen, hat dies einen unmittelbaren Effekt – vor allem auf unser eigenes Wohlbefinden.

Wofür seid Ihr dankbar?  

Anna ist diplomierte Kommunikationswissenschaftlerin, freie Autorin und Lektorin. Das Herz der Überzeugungstäterin schlägt insbesondere für alternative Gesellschaftsformen und Lebensmodelle. Ihre Elemente: Kommunikation in allen Formen, kreative Denkprozesse und Lösungen, praktikabler Optimismus und reflektierte Perspektivwechsel.

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