Praktikabler Optimismus

Dezember 14, 2015 - Daily Challenges, Happyology, von Anna -

Eine Annäherung gespaltener Lager

“Ich bin kein Pessimist, ich bin Realist”

… haben wir alle schon mal gehört und uns meist postwendend in einer hitzigen Diskussion zwischen Optimisten und Pessimisten wiedergefunden. Schließlich erhebt auch der Optimist alleinigen Anspruch auf Realismus. Die Frage danach, wer von beiden nun der Klügere ist, ist müßig. Die Antwort vielleicht dennoch für so manchen überraschend:


Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen

Wir alle sehen und erleben nur einen verschwindend geringen Bruchteil dessen, was als tatsächliche Realität bezeichnet werden kann. Diesen Bruchteil bewerten wir wiederum im Bruchteil einer Sekunde mithilfe unserer Erfahrungen, Meinungen und Ängste. Das Ergebnis ist unser ganz eigenes Bild der Realität, ob wir wollen oder nicht. Wenn es also keine objektive Realität gibt, weil wir alle nur einen winzigen Ausschnitt sehen und den auch noch durch unsere persönlichen, kognitiven Filter laufen lassen, wer hat dann Recht? Der Pessimist oder der Optimist? Die Antwort ist simpel: Keiner von beiden. Sie beide sehen nur ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Wer tiefer in diesen Gedanken eintauchen möchte, dem sei Paul Watzlawicks Werk “Wie wirklich ist die Wirklichkeit?” wärmstens ans Herz gelegt.

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Wo also unsere bewährten Kategorien richtig und falsch versagen, entsteht Raum für eine viel spannendere Frage: Wer von beiden ist glücklicher?


Positive Emotionen

Wir wissen bereits aus der Neurobiologie, dass positive Emotionen unsere Lernfähigkeit erheblich steigern. Wir sind produktiver und können unser schöpferisches Potential besser entfalten, wenn wir glücklich sind. Gerald Hüther beschreibt unzählige spannende und richtungsweisende Forschungsergebnisse zu diesem Thema in unterhaltsamen Büchern wie “Was wir sind und was wir sein könnten” oder in Vorträgen wie diesem Youtube Video: 

Wer sich immer nur auf die negativen Seiten des Lebens fokussiert, verblendet damit nicht nur seine Sicht auf mögliche Handlungsoptionen durch Angst (die ja bekanntlich ein lausiger Ratgeber ist). Er läuft auch Gefahr in die offenen Arme der Selbsterfüllenden Prophezeihung zu laufen. Um ein Problem zu lösen, bietet es sich also an, eine Strategie zu wählen, die nicht von Anfang an, den Abgrund im Blick hat und so womöglich ungewollt geradewegs darauf zu steuert.

Positive Emotionen hingegen sind der Motor unseres Organismus. Sie ermöglichen uns, den ersten Schritt zu machen, einen Stein ins Rollen zu bringen und loszulegen. Doch was dann? Mit Leidenschaft allein, lässt sich noch nicht viel erreichen. Um unsere von Begeisterung angetriebenen Handlungen auf unseren gewünschten Kurs zu bringen, benötigen wir unsere Vernunft. Dabei kommt es auf die gesunde Mischung an. Das Ergebnis ist Pragmatismus.


Praktikabler Optimismus

Pragmatismus wird allerdings meist eher mit emotionslosem Kalkül als mit begeistertem, durchdachtem Tatendrang in Verbindung gebracht. Um die Idee von Denk-, Entscheidungs- und schließlich Handlungsmustern, die durch die Zusammenarbeit von Emotion UND Verstand entstehen, besser zu veranschaulichen, hilft vielleicht der Begriff eines praktikablen Optimimus.

Ein Optimismus also, der nur so viel Zeit wie notwendig mit der Analyse des Problems verbringt und sich schnellstmöglich einer praktikablen und effektiven Lösung widmet. Was passiert ist, ist passiert. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, noch zukünftige Krisen verhindern. Probleme oder gar Schicksalsschläge sind meist bedauernswert. Absolut tragisch werden sie erst, wenn wir nichts daraus lernen oder machen. Wer das Geschehene akzeptiert und nach vorne blickt, hat die wichtigste Hürde bereits genommen. Nun kann man sich mit klarem Kopf überlegen, welche Handlungsoptionen zur Verfügung stehen und diese ausloten und schließlich nutzen.

Dies im Hinterkopf, gelingt es vielleicht mit der Idee des praktikablen Optimismus, die gespaltenen Lager aus Optimisten und Pessimisten in einem Kompromiss zu vereinen.


Fazit

Was wir denken, beeinflusst, wie wir die Welt wahrnehmen und das wiederum beeinflusst, wie wir uns verhalten und nicht zuletzt, wer wir sind.  

Anna ist diplomierte Kommunikationswissenschaftlerin, freie Autorin und Lektorin. Das Herz der Überzeugungstäterin schlägt insbesondere für alternative Gesellschaftsformen und Lebensmodelle. Ihre Elemente: Kommunikation in allen Formen, kreative Denkprozesse und Lösungen, praktikabler Optimismus und reflektierte Perspektivwechsel.

2 Kommentare
  • aline.kniestedt@pia-consulting.de'
    AlineAntworten

    Hallo Anna,
    in deinem Beitrag finde ich mich total wieder. Nun hab ich eine schönere Worthülse dafür gefunden:"Praktikabler Optimist".
    Denn die Diskussion um Optimismus, Pessimismus und Realist entsteht in der Regel sofort, wenn ich mich als Optimist "oute". Vielen Dank!
    Grüße
    Aline

    Dezember 16, 2015
    • Anna PriskaAntworten

      Hallo Aline,
      vielen Dank für Dein Feedback - schön, dass Du Dich darin wieder findest und dass Dir unser Begriff hilft, Deine Einstellung gegenüber der Meinung anderer zu verteidigen. Ein gesundes Maß von allem ist eben meist der Schlüssel zum Erfolg. Wer das erkannt hat, kann sich dieser müßigen Diskussion entspannt entziehen.
      Wir freuen uns, bald wieder von Dir zu hören!
      Bis dahin viele Grüße!
      Anna

      Dezember 22, 2015

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